Montag, 14. März 2011
Landgang
Heute morgen sind wir sehr früh mit dem Nachtbus aus einem Inselparadies gekommen.
Jetzt sitze ich hier auf einem langen Sofa im Foyer eines alten, für Kanalarbeiter errichteten Hauses in der Altstadt von Panama City. Keine Ahnung, ob das Haus für Arbeiter aus der ersten oder zweiten Generation stammt. Für mich hat es einen typischen Kolonialstil mit hohen Räumen, teils Kassettendecken, alten Bodenfliesen und Mosaik an den Wänden, die in den oberen zwei Dritteln weiß getüncht sind. Draußen mischt sich das arme Volk mit den neuen, meist zugezogenen Reichen aus Nordamerika. Casco Viejo, die Altstadt, erfährt gerade umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen.
Sylvia und ich sind seit einigen Stunden auf den Beinen. Es ist halb zehn Uhr morgens. Es ist Mitte März. Wir haben gefrühstückt und einen kleinen Rum getrunken. Gleich können wir hoch auf unser Kolonialzimmer mit Deckenventilator und eigenem Bad. Morgen fliegen wir nach Kolumbien.

Als wir uns in Puerto Lindo gegen Mitte/Ende Februar von unseren Kaptänen verabschiedet haben, sind wir erst einmal in Portobelo gelandet, der ersten großen Festung auf amerikanischen Boden, um das erbeutete Gold zwischen zu lagern, bevor es nach Europa verschifft werden konnte. In den alten steinernen, mit Kanonen bewehrten Fortanlagen ist der Rasen gepflegt, folglich wird Fußball gespielt. Eintritt muß niemand zahlen. Auffallend, wie in scheinbar jedem Zweit- oder Drittweltland, sind die vielen Kinder, die auf der Straße spielen.
Wir lernen einen verrückten Argentinier mit einem sehr netten Pub und einem leeren Haus kennen. In dem Haus wohnen wir für einige Tage. Wasser hatte er noch nicht angeschlossen, dafür aber zwei Eimer bereitgestellt. Wir wohnen nun in diesem alten Kaff. Abends um 6 Uhr spielt ein Ministrant Sambarhythmen im Glockenturm auf den Glocken, ansonsten herrscht karibische Eintracht und Gelassenheit. Hat das neue Bistro noch keine Zulassung für Alkoholausschank, verweist der freundliche Besitzer auf zwei alte Männer im Haus dahinter, die dann Bier über die Veranda verkaufen, welches man selbstverständlich auch mit ins Café nehmen kann. Wir verlassen Portobelo nach ein Paar Tagen.
Auf dem Weg nach Westen werden wir in einen Streik verwickelt. Die Ngöbe sind ein Indianervolk und kämpfen gegen den Verkauf ihres Landes an ausländische Minengesellschaften, also legen sie fast drei Tage, in der Nacht zu meinem Geburtstag, die Interamericana lahm. Auf mehreren Kilometern brennen Autoreifen, ein Urwaldriese steht in einer Schlucht auf der Straße Kopf, der Stamm ragt gut 20 Meter in den Himmel. Niemand hat ausreichend Lebensmittel mit, die Klimaanlagen bleiben aus. Ich gehe nachts durch die stehenden Trucks mit Hängematten unter den Trailern und parkenden Autos hindurch und finde schliesslich eine einsame Wellblechhütte aus der Musik schallt, eine Kneipe. Mein Geburtstag ist gerettet, Sylvia hole ich aus dem Bus ab und wir können wenigstens antoßen. Durch die Menschenmassen und Leerverkäufe in einem kilometerentfernten Supermarkt fühlen wir uns bei großer Hitze und unsicherem Ausgang des Streiks genötigt, unser Glück auf eigene Faust zu versuchen. Wir sollen uns nicht Richtung herannahender Polizei bewegen. Auf dem Weg sind wir schliesslich zu etwa acht. Eine bunte Gruppe aus Einheimischen, mit uns zwei Touristen. Wir sind eine Gruppe auf Zeit; jeder ist auf sich allein gestellt. In der Luft liegt das Gefühl der herannahenden Nacht.

Abends in Boquete, auf etwa 1100 Meter angekommen, finden wir die preisgünstigste Unterkunft (Pension Marilós) mit eigenem Bad und fliessendem Wasser, dazu noch mit einem liebenswerten Gastvater. Das erste Mal, seit mehr als drei Wochen, können wir mit fliessendem Wasser duschen, dazu ist es auch noch warm! Hier in der Höhe sind es rund 20°C. Kaffee wächst beidseits des Weges. In den Bergen treffen wir einen 59 jährigen Franzosen, der uns auf Nachfragen von seinen Reisen erzählt. Er ist jedes Jahr zwei Monate unterwegs. Er war in fast jedem Land. Seine schlechteste Reiseerfahrung jemals sind 5 Dollar, die ihm im Bus vor kurzem aus der Tasche geklaut wurden. Seine erste große Reise machte er 1972. Da ist er von Paris nach Singapur getrampt.

Was können wir bis jetzt über Panama sagen? Unsere Digitalkamera, die wir nachts in einer Kneipe vergessen hatten, wurde uns selbstverständlich nach zwei Tagen wieder gebracht. Sylvias gute Jacke wurde aus dem Bus hinterhergereicht. Wir haben bis jetzt nur nette und sehr interessante Leute getroffen.
Boquete verliessen wir Richtung Isla Bastimentos, einer noch sehr wilden Insel in der Karibik.
Dazu mehr im nächsten Blog.

Streik

Unterwegs nach dem Streik

Lawrence

Junglequeen

Panama City

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