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Mittwoch, 25. Mai 2011
Vilcabamba
chg, 19:05h
Super.
Aus unerfindlichen Gründen sind die amerikanischen Rentner immer dort, wo es am schönsten ist. Auf dem nicht üblichen Weg zwischen den Cordillera del Condor und Guamani; und wie sich später herausstellen sollte auch nicht ganz unstrapaziösen, dafür aber umso reizvolleren Weg nach Peru, sind wir in Vilcabamba gestrandet, in einem wunderschönen, zwischen grünen Bergketten gelegenen Dorf.
Die zugezogenen Gringos und gestrandeten Reisenden haben in den letzten Jahren dieses malerische Einod quasi überrumpelt. Auf etwa 1500 Höhenmeter gelegen, hat der Ort eine Jahresdurchschnittstemperatur von 20,5°C und die Menschen hier sollen uralt werden. Was dann auch den Herzug nordamerikanischer Rentner erklärt, die ihre eigene Kultur und das, was sie vielleicht immer schon in ihrem Leben machen wollten, wie „Traditionelles Bogenschiessen“ und „einmal ein italienisches Restaurant eröffnen“, am herrlichen Dorfplatz und in der näheren Umgebung anbieten. Die Gestrandeten bleiben, abgesehen von der wirklich schönen Umwelt, vielleicht wegen der Variation an Essen. Es ist nicht erquickend immer nur Reis oder gestampfte Kochbananen morgens, mittags und abends zu sich zu nehmen. Dies war auch unser Grund für einen weiteren Tag im Paradies.
Sylvia und ich waren in einer günstigen und schönen, vielleicht doch besser in einer schön günstigen Herberge untergekommen. Im zweiten Stockwerk wohnend hatten wir eine unglaubliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Die Morgensonne erhellte, wie mit einem Dimmer, vorsichtig durch die roten Vorhänge unser Zimmer und ich wurde von einem stetigem, sanften Schaben, Mischen, Vermengen und Klatschen ganz langsam geweckt.
Ich weiss nicht wie es euch Lesern geht, wenn ihr morgens noch im Bett liegt, ein euch sehr vertrautes Geräusch hört, irgendein Inbegriff von Arbeit, dass nie endende Brummen eines Dieselmotors zum Beispiel, und ihr mit einer gewissen Genugtuung, vielleicht sogar Hähme, euch noch einmal umdreht und weiter schlaft.
So wäre mir das zu Hause ergangen, nun bin ich durch diese lange Freizeit so ausgeruht, dass ich mich schon so gegen 8 Uhr morgens hinsetzte und hinausschaute:
Direkt neben und eine Etage unter uns wurde ein neues Fundament gegossen. Klasse! Hatte ich doch den Nachmittag vorher die ganze Schalung bewundert. Die Armierung der Stahlbetonpfeiler zeigte in den Himmel des neuen ersten, etwa 10 x 4 m messenden Stockwerks. Die untere Schalung stand fest abgestützt, an dieser waren die ringsumher laufenden Schalbretter befestigt. Darauf lag die verwobene Armierung und in Karrees dazwischen, Zementziegel als Füllmaterial. Strom und Wasserzulauf und -ablauf waren verlegt. An einer Seite des Dachs befand sich ein hölzener Galgen. Unter diesem wurde von Hand gemischt, der Beton in Eimern heraufgezogen, in Schubkarren gefüllt und von jungen Arbeitern verteilt. Nur einer stach heraus, der Chef.
Er war klein und gedrungen, mit dunklem Hautton und weißen kurzrasierten Haaren. Er trug eine dunkelblaue Anzughose und Lederschuhe und ein weißes T-Shirt mit Angelmotiv. Dieses Motiv dehnte sich über einen wirklich beeindruckenden Kugelbauch; so wurde der aus dem Meer der Sonne entgegen springende Merlin des bunten Druckes noch mehr hervorgehoben. Auf dem Kopf trug er einen sehr fein geflochtenen, teuren „Panama Hut“ mit einem filigranen Muster im blauen Band. In einer Hand hielt er eine Leiste und stocherte, im Mörtel stehend, in eben diesem herum, um diesen geschmeidig in die Zwischenräume des Füllmaterials und Geflechts fliessen zu lassen. Hin und wieder nahm er auch Eimer an.
Die Arbeiter verteilten mit ihren Schaufeln und Kellen und anschliessend mit einem Richtscheit, hier ein scheinbar gerades Kantholz, die sämige Masse über den Boden. Mit einer Richtschnur auf jeder Seite wurde das Niveau in regelmäßigen Abständen überprüft.
Eine Szene, die ich aus meiner Kindheit gut kenne, die heute aber nur noch sehr selten so, höchstens bei sehr kleinen Bauprojekten in Deutschland, gesehen wird.
Ich hatte große Lust mitzumachen, musste aber duschen und frühstücken gehen.
Wir wollten an diesem Tag einen längeren Spaziergang durch die gebirgige Umgebung machen. Und vielleicht, vielleicht ginge es ja am nächsten Tag weiter nach Peru...





Aus unerfindlichen Gründen sind die amerikanischen Rentner immer dort, wo es am schönsten ist. Auf dem nicht üblichen Weg zwischen den Cordillera del Condor und Guamani; und wie sich später herausstellen sollte auch nicht ganz unstrapaziösen, dafür aber umso reizvolleren Weg nach Peru, sind wir in Vilcabamba gestrandet, in einem wunderschönen, zwischen grünen Bergketten gelegenen Dorf.
Die zugezogenen Gringos und gestrandeten Reisenden haben in den letzten Jahren dieses malerische Einod quasi überrumpelt. Auf etwa 1500 Höhenmeter gelegen, hat der Ort eine Jahresdurchschnittstemperatur von 20,5°C und die Menschen hier sollen uralt werden. Was dann auch den Herzug nordamerikanischer Rentner erklärt, die ihre eigene Kultur und das, was sie vielleicht immer schon in ihrem Leben machen wollten, wie „Traditionelles Bogenschiessen“ und „einmal ein italienisches Restaurant eröffnen“, am herrlichen Dorfplatz und in der näheren Umgebung anbieten. Die Gestrandeten bleiben, abgesehen von der wirklich schönen Umwelt, vielleicht wegen der Variation an Essen. Es ist nicht erquickend immer nur Reis oder gestampfte Kochbananen morgens, mittags und abends zu sich zu nehmen. Dies war auch unser Grund für einen weiteren Tag im Paradies.
Sylvia und ich waren in einer günstigen und schönen, vielleicht doch besser in einer schön günstigen Herberge untergekommen. Im zweiten Stockwerk wohnend hatten wir eine unglaubliche Aussicht auf die umliegende Bergwelt. Die Morgensonne erhellte, wie mit einem Dimmer, vorsichtig durch die roten Vorhänge unser Zimmer und ich wurde von einem stetigem, sanften Schaben, Mischen, Vermengen und Klatschen ganz langsam geweckt.
Ich weiss nicht wie es euch Lesern geht, wenn ihr morgens noch im Bett liegt, ein euch sehr vertrautes Geräusch hört, irgendein Inbegriff von Arbeit, dass nie endende Brummen eines Dieselmotors zum Beispiel, und ihr mit einer gewissen Genugtuung, vielleicht sogar Hähme, euch noch einmal umdreht und weiter schlaft.
So wäre mir das zu Hause ergangen, nun bin ich durch diese lange Freizeit so ausgeruht, dass ich mich schon so gegen 8 Uhr morgens hinsetzte und hinausschaute:
Direkt neben und eine Etage unter uns wurde ein neues Fundament gegossen. Klasse! Hatte ich doch den Nachmittag vorher die ganze Schalung bewundert. Die Armierung der Stahlbetonpfeiler zeigte in den Himmel des neuen ersten, etwa 10 x 4 m messenden Stockwerks. Die untere Schalung stand fest abgestützt, an dieser waren die ringsumher laufenden Schalbretter befestigt. Darauf lag die verwobene Armierung und in Karrees dazwischen, Zementziegel als Füllmaterial. Strom und Wasserzulauf und -ablauf waren verlegt. An einer Seite des Dachs befand sich ein hölzener Galgen. Unter diesem wurde von Hand gemischt, der Beton in Eimern heraufgezogen, in Schubkarren gefüllt und von jungen Arbeitern verteilt. Nur einer stach heraus, der Chef.
Er war klein und gedrungen, mit dunklem Hautton und weißen kurzrasierten Haaren. Er trug eine dunkelblaue Anzughose und Lederschuhe und ein weißes T-Shirt mit Angelmotiv. Dieses Motiv dehnte sich über einen wirklich beeindruckenden Kugelbauch; so wurde der aus dem Meer der Sonne entgegen springende Merlin des bunten Druckes noch mehr hervorgehoben. Auf dem Kopf trug er einen sehr fein geflochtenen, teuren „Panama Hut“ mit einem filigranen Muster im blauen Band. In einer Hand hielt er eine Leiste und stocherte, im Mörtel stehend, in eben diesem herum, um diesen geschmeidig in die Zwischenräume des Füllmaterials und Geflechts fliessen zu lassen. Hin und wieder nahm er auch Eimer an.
Die Arbeiter verteilten mit ihren Schaufeln und Kellen und anschliessend mit einem Richtscheit, hier ein scheinbar gerades Kantholz, die sämige Masse über den Boden. Mit einer Richtschnur auf jeder Seite wurde das Niveau in regelmäßigen Abständen überprüft.
Eine Szene, die ich aus meiner Kindheit gut kenne, die heute aber nur noch sehr selten so, höchstens bei sehr kleinen Bauprojekten in Deutschland, gesehen wird.
Ich hatte große Lust mitzumachen, musste aber duschen und frühstücken gehen.
Wir wollten an diesem Tag einen längeren Spaziergang durch die gebirgige Umgebung machen. Und vielleicht, vielleicht ginge es ja am nächsten Tag weiter nach Peru...





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