Freitag, 10. Juni 2011
Three feet high and risin'
Vielleicht hat Johnny Cash ähnlich gefühlt, als er dieses Lied mit Erinnerungen an seine Kindheit gesungen hat. Nun, es ist nicht der Mississippi, aber ich denke diese Gegend, der Beginn des großen Rio Amazonas, steht dem im nichts nach.
Wir sind von Yurimaguas den Rio Huallaga runter, hinter Lagunas dann den Rio Marañón, der sich hinter Nauta mit dem Rio Ucayali zum Amazonas vereinigt.
Der dritte Tag bricht an auf der Eduardo 6. Dieses 3-4 Kuhlängen breite und rund 70 Schritte lange Schiff bietet einigen Komfort. Auf dem Rumpf einer Barkasse sind zwei Decks aufgeschweisst worden. Der landungsbootähnliche vordere Kiel ermöglicht es dem Kapitän an jeder erdenklichen Stelle Waren, Tiere und Menschen laden zu lassen. Erstere bleiben unter Deck, Menschen und Kleingüter, je nach Finanzkraft, im ersten oder zweiten Deck in Hängematten, oder wie Sylvia und ich, in Kabinen.
Während der Fahrt nähern sich rund um die Uhr kleinere Boote, der Kaptitän drosselt die Geschwindigkeit, Menschen gehen an Bord, von Bord, Bananen werden zugeladen, Schweine, Kühe sind an Bord. Bretter und Bohlen, Stahlrohre, auf dem Vorschiff gute 12m³ Salz in Säcken, Palmenherzen, landwirtschaftliche Produkte, die ich einfach nicht kenne, Mopeds, Fahrräder, kistenweise Bier und immer wieder Bananen.
Rund 300 Menschen tummeln sich auf den Oberdecks. Ganze Familien und Hausstände. Kinder aller Altersklassen die umherlaufen, mit mitgebrachten Kunststoffspielzeug spielen und so fast ohne Aufsicht der Eltern wirklich nah an der Reling sind. Schwimmwesten scheinen für jeden vorhanden.
Drei Mal am Tag gibt es eine eintönige gute Mahlzeit. Man stellt sich einfach mit einer mitgebrachten Kunststoffschuessel und einem Loeffel in die Schlange Menschen und wartet bis einem ein freundlicher Mann mit weissem Hut das Essen liebevoll im Napf anrichtet.
Das Schiff ist in einem guten Zustand, sieht man vom äußeren Eindruck eines Baufahrzeuges einmal ab. Roststellen sehe ich nur wenige, die Klos sind Schiffstoiletten (mit fliessend Wasser!) mit aus Wassertanks gespeister Duschmöglichkeit. 2-3 Mal am Tag werden die Sanitäreinrichtungen samt Wände geschrubbt.
So zuckeln wir dahin. Je nach Bewölkung ist es sehr schwül und heiß, oder wie heute durchaus mit langer Hose und T-Shirt angenehm.
Mittlerweile verliere ich auf diesem breiten Fluß den Überblick über Fahrwasser, großen Inseln und kleinen Inseln und tatsächlicher Uferböschung.
Ich kann nicht sagen, dass ich froh war heute einen Gleichgesinnten getroffen zu haben, als der Kaptiän ein Beiboot zum Tiefe ausloten geschickt hat, war aber über diese Umsicht erfreut.
Heute Nacht sind einige Leute mit Schwimmwesten schlafen gegangen, sie meinten wir hätten zuviel zugeladen und waren teilweise panisch. Der Kaptitän gab auf Nachfragen die erhoffte knappe Antwort: “Alles Verrückte“ und meine aufkommenden Bedenken waren vom Tisch gewischt.

Für Sylvia sind solche ruhigen Flußfahrten nichts; trotz einiger Zerstreuungsmöglichkeiten.
Ich dagegen kann auch sehr lange einfach nur geradeaus aufs Treibholz oder die Uferböschung schauen, oder auf das braune Wasser, in dem man immerhin ab und an Delfine sieht!
Nun denn. Wer will schon streiten.
In zwei bis drei Stunden werden wir die größte Stadt der Welt ohne Zufahrtsstraßen erreichen, Iquitos.

Oberdeck

Amazonasabend

Floesser

watch your step

einer der vielen kurzen Stops

Der Beginn des Amazonas

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